46. Beton-Treff Nord an der SLV Nord

Laborführung und Live-Kerbschlagbiegeversuche
Um gleich zu Anfang einen praktischen Eindruck von der Arbeit der Werkstofftechnik zu vermitteln, führten Benjamin Wagner und Geschäftsführer Armin Schlieter die Gäste zunächst durch das Prüflabor und stellten die typischen Prüfverfahren vor. Dabei konnten die Stahlbeton-Experten unter anderem Kerbschlagbiegeversuche live miterleben – diese spielen bei Altstahluntersuchungen eine wichtige Rolle, um die verbliebene Zähigkeit des Materials bei schlagartiger Beanspruchung unter verschiedenen Temperaturen zu ermitteln. Weiterhin erhielten die Gäste vor Ort Einblick in Zugversuch, Härteprüfung, Metallographie, einschließlich der Herstellung von Makro- und Mikroschliffen, Digitale Radioskopie, Sicht-, Eindring- und Magnetpulverprüfung.

„Genommen, was herumlag“ – Stahlqualität vor 1980
Nach einer Vorstellung der SLV Nord mit ihren verschiedenen Tätigkeitsgebieten durch Armin Schlieter machte Benjamin Wagner in seinem Vortrag zunächst die Problematik von Altstahl deutlich: Erst in den 80er Jahren erzeugter Stahl lässt sich aufgrund der damals verpflichtend geltenden Qualitätskriterien als hundertprozentig schweißgeeignet klassifizieren. Ältere Herstellungsverfahren, vom Puddelstahl aus dem 18. Jahrhundert. über das Bessemer- bis hin zum Siemens-Martin-Verfahren, führten regelmäßig zu Verunreinigungen, z. B. mit Schwefel und Phosphor, die eine erhöhte Gefahr der Rissbildung mit sich bringen. Was bei älteren Bauwerken oft noch hinzukommt: eine völlige Unklarheit, um welche Art Stahl es sich überhaupt handelt. "Wenn früher Brücken wieder aufgebaut wurden, wurde zum Teil einfach genommen, was gerade herumlag“, beschrieb Wagner. „Stahl verschiedener Hütten und unterschiedlicher Qualität, eine entsprechende Dokumentation wurde nicht geführt oder ging verloren." Um die im Denkmalschutz oft gestellte Frage "Kann man daran schweißen?" zu beantworten, die meist darauf abzielt, möglichst viel des historischen Materials zu erhalten, braucht es daher eine genaue Bestandsaufnahme. An dieser Stelle kommt die SLV Nord ins Spiel: Mit ihren vielfältigen Prüfverfahren nehmen die Werkstofftechniker eine genaue Bestimmung der Stahlgüte und damit der Schweißeignung vor.
Werkstoffprüfung macht nichtmetallische Einschlüsse sichtbar
Wagner beschrieb die Funktionsweise der wichtigsten Prüfmethoden bei Altstählen und zeigte dem interessierten Publikum dabei unter anderem Mikroskopaufnahmen, die nichtmetallische Einschlüsse wie Mangansulfide im Stahl deutlich sichtbar machen, sowie – direkt am Beispiel von Bewehrungsstahl – Baumannabdrücke, die abbilden, wie sich Schwefelablagerungen räumlich im Zentrum der Stäbe konzentrieren, während der Rand als „bedingt schweißgeeignet“ gelten kann.

Der Werkstofftechnik-Leiter schloss seine Einblicke für die Stahlbeton-Experten mit einem Appell: Damit alle Prüfungen korrekt durchgeführt werden können, sollte bei der Einlieferung von Stahlproben ins Labor unbedingt darauf geachtet werden, dass diese groß genug seien (idealerweise DIN A 5), es sollte genau dokumentiert sein, welche Probe wo entnommen wurde, die Walzrichtung sollte markiert sein, und das Material sollte durch kalte Entnahmetechniken geschont werden.


Die Veranstaltung klang mit einem lebhaften Get-together mit Buffet in der Campus Lounge des ELBCAMPUS aus. Wir bedanken uns ganz herzlich beim Betonerhaltung Nord e. V. für das unserer Werkstoffprüfung entgegengebrachte Interesse, freuen uns über den gelungenen Nachmittag und Abend und wünschen der Veranstaltungsreihe „Beton-Treff Nord“ weiterhin viel Erfolg.



































