100 Jahre Schweißausbildung in Hamburg: 400 Gäste feiern mit SLV Nord 7. Abend der Schweißtechnik

Geselliges Get-together, Grillwurst, fachlicher Input an 30 Ausstellerständen – und ein kräftiger Abschluss-Knall: Am 10. September 2026 kamen rund 400 Gäste an die SLV Nord, um mit uns und dem DVS-Bezirksverband Hamburg den 7. Abend der Schweißtechnik sowie das 100-jährige Bestehen der Schweißausbildung in Hamburg zu feiern. Ein gelungener Nachmittag und Abend mit lebhaftem Netzwerken, informativen Themenrundgängen und funkensprühenden Darbietungen liegt hinter uns.

Von ersten Schweißkursen 1926 zum „Jugend schweisst“-Bundesfinale 2027

Als Auftakt der Jubiläums-Veranstaltung begrüßte Armin Schlieter, Geschäftsführer der SLV Nord, die Gäste mit einer Zeitreise zurück zu den Anfangsgründen der Schweißausbildung in Hamburg: Alte Dokumente belegen bereits aus dem Jahr 1926 Schweißkurse, doch es sollte noch rund 70 Jahre dauern, bis sich aus den beiden Vorgänger-Institutionen SLV Hamburg des DVS und SL Nord der Gewerbeförderungsanstalt der Handwerkskammer Hamburg die SLV Nord in ihrer heutigen Form konstituierte. Anhand historischer Fotos konnten die Teilnehmer nachvollziehen, wie die SLV Nord zuerst noch unter eher beengten Bedingungen im Herzen von Hamburg-Altona beheimatet war, und wie im Jahr 2008 der ELBCAMPUS als Baustelle langsam Gestalt annahm. Hier verfügt die SLV Nord heute über 2.000 m2 modernste Werkstätten und hat damit die idealen räumlichen Voraussetzungen für ihre fünf Tätigkeitsbereiche: Aus- und Weiterbildung, Qualitätssicherung, Werkstofftechnik, Forschung und Entwicklung sowie das ebenfalls bereits seit über 70 Jahren existierende Kunststoffzentrum. Schlieter schloss seinen Überblick über Historie und Gegenwart mit einem Blick in die Zukunft – gleich im doppelten Sinne: 2027 findet ein ganz besonderes Event an der SLV Nord statt – das Bundesfinale des DVS-Wettbewerbs „Jugend schweisst“, bei dem die Schweißer und Schweißerinnen von morgen ihre Handfertigkeiten aneinander messen.

Ein Meilenstein in der Geschichte der SLV Nord: Der ELBCAMPUS, das Kompetenzzentrum der Handwerkskammer Hamburg, wird gebaut
Armin Schlieter, Geschäftsführer der SLV Nord, gibt einen Abriss über die Geschichte der SLV Nord
V.l.n.r.: Geschäftsführer der SLV Nord Armin Schlieter und Dr. Heike Maschke mit Christoph Herting, Hauptgeschäftsführer der HWK Hamburg

„Ein Leuchtturm des Könnens“ – Hjalmar Stemmann, Präsident der HWK Hamburg 

Nach dem Grußwort von Geschäftsführer Schlieter ergriff Hjalmar Stemmann, Präsident der Handwerkskammer Hamburg, das Wort. „Ohne Schweißen wäre die moderne Welt schlicht nicht gebaut“, hob er die große Bedeutung der Schweißtechnik weltweit, aber auch ganz speziell für Hamburg hervor. Ob in der Logistik, in Windkraftanlagen vor der norddeutschen Küste, in Brückenbau, chemischer Industrie, Fahrzeug- oder Maschinenbau, überall sei die Schweißtechnik unverzichtbar – und zwar als eine Disziplin, bei der Qualität und Sicherheit nicht verhandelbar seien: „Jede Naht trägt Verantwortung – für ein Bauwerk, für eine Anlage, für Menschenleben.“ Bezüglich der hohen Qualitätsanforderungen und der weit entwickelten Technik zog er eine Parallele zu seinem eigenen Gewerk, der Zahntechnik: Wir hier gelte es auch beim Schweißen Handwerk und Hightech untrennbar miteinander zu verschmelzen, damit am Ende ein exzellentes Ergebnis entstehe. „Ob es um den perfekten Kronenrand im Mund eines Patienten geht oder eine belastbare Schweißnaht an einer Brücke über der Elbe – in beiden Fällen verbindet sich die ruhige Hand einer erfahrenen Fachkraft mit der Präzision modernster Technik“, so der Dentalunternehmer.

Mit ihrer langen erfolgreichen Geschichte stelle die SLV Nord in Hamburg somit einen „Leuchtturm des Könnens, der Ausbildung und der Qualität“ dar, auf den die Stadt stolz sein könne. Gerade die Aus- und Weiterbildung von schweißtechnischem Fachpersonal sei ein wichtiger Schlüssel zur Zukunftsfähigkeit der umliegenden Betriebe, von der Raffinerie über den Containerumschlag am Hafen bis hin zum Metallbetrieb in der Metropolregion. Die SLV Nord agiere als stiller, aber entscheidender Motor für die Innovations- und Wettbewerbsfähigkeit des gesamten norddeutschen Wirtschaftsraums und gebe zugleich jungen Menschen eine Perspektive, indem sie ihnen ein Berufsfeld eröffne, das sichere Arbeit und gute Aufstiegschancen verspreche.

In den kommenden Jahrzehnten, so richtete der Handwerkskammerpräsident abschließend seinen Blick in die Zukunft, werde die Schweißtechnik gefragter sein als je zuvor. Die Technik werde sich dabei schneller denn je weiterentwickeln, und neue Werkstoffe wie Leichtmetalle für die E-Mobilität, Schweißroboter mit KI-Unterstützung oder die Herausforderungen der Kreislaufwirtschaft werden die Branche als vorherrschende Themen beschäftigen.

Hjalmar Stemmann, Präsident der Handwerkskammer Hamburg, hebt die große Bedeutung der Schweißtechnik in der heutigen Welt und speziell in der Metropolregion Hamburg hervor

60er-Jahre-Schweißmaschine trifft Cobot: 30 Ausstellerstände

Nach den beiden Begrüßungsansprachen konnten sich die Gäste mit einem Imbiss vom Grill, Crêpes und Eis stärken und sich ausführlich der umfangreichen Industrieausstellung in Foyer, Hof und Schweißwerkstatt widmen. Hierbei gab es u.a. die neuesten Cobots bestaunen, handgeführtes Laserschweißen, automatisiertes Schweißen und Infrarot-Kunststoffschweißen live zu beobachten; wer die Herausforderung suchte, konnte ebenfalls sein Können am Schweißsimulator testen. Andere Stände wiederum präsentierten Schweißgeräte, Schweißhelme und schweißtechnische Komponenten der neuesten Generation oder widmeten sich den Themen Gasversorgung, Rauchabsaugung, Bolzenschweißen, Notfallmanagement, Qualitätsmanagement oder Weiterbildung. Wer einen Kontrast zu dem reichhaltigen Aufgebot neuester Technik suchte, fand auch diesen: Zum Anlass der 100-Jahr-Feier hatte auch eine Schweißmaschine aus dem Jahr 1960 aus dem DVS-Schaudepot ihren Weg in die Ausstellung gefunden.

Wenn Betonstahl nachgibt – im SLV Nord Werkstoffprüflabor

Zu einem besonderen Blick hinter die Kulissen waren die Teilnehmer am späten Nachmittag eingeladen: Um den Gästen die Möglichkeit zu geben, die Tätigkeitsbereiche der SLV Nord näher kennenzulernen, öffneten die Fachbereichsleiter Jörg Belfin (Kunststoffzentrum), Benjamin Wagner (Werkstofftechnik) und Jan Bargholt (Aus- und Weiterbildung) die Türen zu Führungen durch ihre jeweiligen Räumlichkeiten und berichteten aus erster Hand über tägliche Herausforderungen und Arbeitsabläufe. Besonders großen Zulauf erfuhr der Rundgang durch das DAkkS-akkreditierte Werkstoffprüflabor, bei dem die Gäste nicht nur Wissenswertes über Farbeindringprüfung, Kerbschlagbiegeversuch und Co erfuhren, sondern sogar live miterlebten, wie die 60-Tonnen-Zugmaschine mit ohrenbetäubendem Knall ein Stück Betonstahl in zwei Teile riss.

Mit Werkstofftechnik-Leiter Benjamin Wagner im DAkkS-akkreditierten Werkstoffprüflabor der SLV Nord
Jörg Belfin führt durch das Kunststoffzentrum

PSA = „Passt schon, Alter!“

Mit Einbruch der Dunkelheit hieß es einen guten Platz hinter den Absperrgittern sichern – die Vorführungen starteten. Die Rhomberg Sersa Schweißtechnik GmbH führte zunächst das Verbinden von Schienen im aluminothermischen Schweißverfahren vor, wobei hochschlagende Flammen zu beobachten waren und die Funken nur so spritzten. Den Abschluss bildete eine ebenso eindrucksvolle wie auch humorvolle Präsentation der ID Gesundheit rund um Brandschutz und Gefahren beim Schweißen: Schweißer Micha, fachmännisch ausgerüstet mit Sonnenbrille und Küchenschürze, ist sich sicher: „PSA“ kann nichts anderes bedeuten als: „Passt schon, Alter!“ Entsprechend viel Mühe investiert er bei seinen Schweißarbeiten in Sicherheitsvorkehrungen. Die Folge: Die Gäste konnten live zusehen, wie ein Lauffeuer entstand und Fässer mit brennbarem Inhalt mit lautem Knall in die Luft gingen.

Schienenschweißen mit der Rhomberg Sersa Schweißtechnik GmbH
Brandschutz-Show der ID Gesundheit GmbH

Die Explosion markierte den Abschluss einer 100-Jahr-Feier, die uns noch lange in Erinnerung bleiben wird. Wir danken allen Teilnehmern, Ausstellern, Mitwirkenden und Partnern ganz herzlich für den gelungenen Nachmittag und Abend – für die netten Gespräche, den inspirierenden persönlichen Austausch, die fachlichen Impulse und zahlreichen neuen Kontakte. Wir freuen uns bereits jetzt sehr auf den 8. Abend der Schweißtechnik im Spätsommer 2028.