SLV Nord - bitte wählenSchweißtechnische Lehr- und Versuchsanstalt Nord gGmbH

Kurzweilige Vorträge und intensives Netzwerken zum Jubiläum

Über 200 Teilnehmer, unter ihnen der Hauptgeschäftsführer des DVS e.V. Dr.-Ing. Roland Böcking, trafen sich zum 30. Schweißtechnischen Kolloquium auf Einladung des DVS-Bezirksverbandes Hamburg, der HAW Hamburg und der SLV Nord an der Hochschule für Angewandte Wissenschaften (HAW) am 05.02.2019.

Auditorium in der Aula der HAW Hamburg
Auditorium in der Aula der HAW Hamburg

Nach der Begrüßung durch den Vorsitzenden des DVS-Bezirksverbandes Hamburg gab Dr.-Ing. Böcking einen Überblick über die Wirtschaftsleistung der 450.000 Beschäftigten im Bereich FTB (Fügen, Trennen, Beschichten), die alle vier Jahre im Rahmen einer Wertschöpfungsstudie ermittelt wird. Jeder Euro Umsatz in diesem Bereich ist Grundlage für weitere 18€ Wertschöpfung in anderen Bereichen. Das zeigt u.a. den bedeutsamen Stellenwert des Bereiches FTB in Deutschland.

Vorstellen der Wertschöpfungsstudie durch Dr. Roland Boecking
Vorstellen der Wertschöpfungsstudie durch Dr. Roland Boecking

„Die Elbphilharmonie war ein Schnäppchen für die Stadt Hamburg.“ Mit dieser Feststellung überraschte Dipl.-Ing. Stephan Böhling in seinem Vortrag das Auditorium. Es folgte eine Schilderung der stahlbaulichen Herausforderungen, die den auf Backstein thronenden „schmelzenden Eisberg“ zu einem weltweit einzigartigen Gebäude machen. Der Konzertsaal, ist auf Federpakten gelagert und so vom Lärm des Hafens entkoppelt. Dazu wurde in einer äußeren Schale über Federn ein innere Schale aufgehängt und in dieser wiederum eine Schale als sichtbare Innenwand des Konzertsaales. So einfach die Idee, so kompliziert war die Umsetzung. Alle stahlbaulichen Komponenten dafür sind von Hand geschweißte Unikate.

Es folgte eine Kaffeepause mit warmen Brezeln und intensivem Gedankenaustausch mit neuen und alten Bekannten.

Automatisierung im Stahlbau

Im anschließenden Vortrag über Automatisierung im Stahlbau berichtete Dipl.-Ing. Kovacec von der Firma Zeman über die Fertigung von Wellstahlträgern, die gegenüber herkömmlichen Stahlträgern ein um 25% geringeres Gewicht aufweisen. Mit ihrem Steel-Beam-Assembler werden in Träger innerhalb von einer Minute Kopfplatten und Stege bis 200kg eingeheftet. Das Ganze auf Basis der CAD-Daten, so dass es keine Fehlplatzierungen gibt. Gegenüber dem Schweißen von Hand ergibt sich damit eine Zeitersparnis von bis zu ca. 60%, wobei der Löwenanteil der Einsparung auf den Zusammenbau entfällt. Das Ausschweißen kann wahlweise mit einem oder zwei Robotern erfolgen. Die notwendigen Anbauteile werden von einer Plattensortieranlage bereitgestellt. Weltweit hat die Fa. Zeman 30 Anlagen aufgebaut.

Auftragsschweißen betreibt die Fa. Gall & Seitz in Perfektion mittels Laser-Pulver-Auftragsschweißen wie Dr.-Ing. Florian Wagner in seinem Vortrag ausführte. Dabei hat sich die Firma in den letzten 130 Jahren von der Schiffsreparatur in alle Bereiche der Industrie ausgedehnt und auf die geometrische Korrektur und das Aufbringen von Verschleißschutz auf hochwertige Komponenten spezialisiert. Dabei werden Laser im Bereich 1-3kW eingesetzt und WEZ von 0,2mm erreicht. Das ermöglicht die Aufarbeitung von Flugzeugturbinen aus Titan oder Kolben aus GGG60.

Berechnung T8/5-Zeiten nach der DIN EN 1011

Nach der „besonderen Mittagspause“ eröffnete Dr.-Ing. Mario Kusch mit einem kritischen Vortrag zur Berechnung der T8/5-Zeiten nach der DIN EN 1011 den Nachmittag. Er führte aus, dass die Grundlagen für diese Norm bereits um das Jahr 1960 gelegt wurden und z. T. nicht mehr zu den neu entwickelten hochfesten Werkstoffen passen. Der thermische Wirkungsgrad, die Formfaktoren und die Schweißleistung sind dabei besonders herausfordernde Parameter, die z.T. korrekturbedürftig bzw. schwer zu ermitteln sind, auch mit den heutigen modernen Stromquellengenerationen. Fazit war, dass man unter Zuhilfenahme der Norm oft zu kurze T8/5-Zeiten im Rahmen einer grafischen oder berechnenden Ermittlung erhält, so dass mit Kaltrissen zu rechnen ist. Bei „sensiblen Werkstoffen“ sollte die T8/5-Zeit gemessen werden, so die abschließende Empfehlung.

Als nächstes stellte der geschäftsführende Gesellschafter Dipl.-Ing. Frank Hohmann der Firma ITH GmbH die aktuellen Herausforderungen mit Schraubverbindungen im Stahlbau vor. Beindruckend hierbei war zu erkennen, dass es sich bei dem Thema Schrauben um eine fachlich intensive und z.T. sehr wissenschaftlich fundierte Herangehensweise handelt. Know How und geschultes Personal mit passendem Equipment sind gefragt, um Schrauben von M 20 bis M 72 zu verarbeiten. An Praxisbeispielen zeigte sich, dass diese großen Dimensionen keine Seltenheit, vor allem in der Herstellung von Windkraftanlagen, sind.

Dipl.-Ing. Gregor Machura leitete mit einem Vortag zur DIN EN 1090-2 2018:09 den letzen Abschnitt des Tages ein. Er wies auf die Veränderungen der aktuellen Ausgabe zum bisherigen Normenstandard hin und beantwortete alle Fragen zu Inhalten, die mehrdeutig ausgelegt werden können.

Abschlussvortrag zum Jubiläum Prof. Dr. Claus Mattheck
Abschlussvortrag zum Jubiläum Prof. Dr. Claus Mattheck

Über die Körpersprache der Bauteile

Der bildreiche Vortrag von Prof. Dr. Claus Mattheck über die Körpersprache der Bauteile mit vielen plastischen Schilderungen bildete den humorvollen, neue Einblicke gebenden Höhepunkt und Abschluss des Jubiläums. Mithilfe von veranschaulichenden Methoden, bspw. dem Schubviereck ermittelte Prof. Mattheck die Ursachen von Mauerrissen, Schüttungswinkeln und Ermüdungsbrüchen - „Für die Gürtelschnalle ist jeder Atemzug ein Lastspiel“, sagte Prof. Mattheck humorvoll. Anhand von Zugdreiecken führte er weiter aus, dass die „Ingenieurskerbe“ (Viertelkreis) nur beim Vorliegen von horizontalen und vertikalen Kräften die optimale Lösung ist. In der Natur findet man dagegen die Form eines Flusskiesels, Fisches, Auges, … es handelt sich dabei um eine Art der Optimierung durch Versagen. Wenn der Baum vom Wind umgekippt wurde, handelt es sich um eine Optimierung. Diese kurzen Auszüge können leider nicht den Inhalt und die Atmosphäre des Vortrages wiedergeben, man muss ihn erlebt haben www.mattheck.de.

Damit fand ein sehr interessanter Tag auf humorvolle Weise seinen besonderen Abschluss. Den Anwesenden wird er im Gedächtnis bleiben und alle anderen können sich auf 2020 freuen.

(Bildquelle: DVS-Bezirksverband Hamburg)

Weitere Impressionen

Ansprechpartner

  1. Sven NoackSven Noack

    Diplom-Ingenieur - SFI/IWE
    Geschäftsführer, Leiter SLV Nord
    Telefon: +49 (0)40 35905-755
    Fax: +49 (0)40 3590544-755
    E-Mail: snoack@slv-nord.de